Kritik zu „Wiederholung des Programms der ersten Abteilung – Konzert vom 04. April 1868″ am 6. Oktober 2018


08.10.2018, Allgemein

Kronen Zeitung, 8. Oktober 2018

Extravaganter und bejubelter Beitrag zum Brucknerfest

Kopie eines Konzertes aus 1868

Programmgetreue Kopie des vom einstigen Dom- und Stadtpfarrorganisten Anton Bruckner dirigierten Konzertes am 4. April 1868 zum „24. Gründungsfest der Liedertafel Frohsinn“: ein extravaganter und viel bejubelter Beitrag zum Internationalen Brucknerfest des Jahres 2018 im Linzer Brucknerhaus.

Als Hörerlebnis empfand man die vielen A-cappella-Gesänge, die vom grandios arbeitenden Chordirigenten Alex Koller, seinem Hard-Chor und Mitgliedern der Linzer Singakademie in den Saal gezaubert wurden. Kompositionen von Schubert, Kreutzer, Zöllner, Mendelssohn, Schumann und Bruckner vermittelten nachhaltigen Kunstgenuss.
Angemessen ergänzt wurde dies von Szenen aus Wagners „Tannhäuser“ und „Meistersinger“ (Ansprache des Sachs und Schlusschor wurden 1868 in Linz uraufgeführt!) mit dem Orchester des Linzer Konzertvereins unter Tobias Wögerer und mit dem Bass Albert Pesendorfer. Kammermusikalischer Höhepunkt war das Franz Xaver Frenzel Quartett mit Mozarts Es-Dur Streichquartett. (Balduin Sulzer)

OÖN, 8. Oktober 2018

Werke aus 1868, die fast nichts mehr zu sagen haben

Brucknerfest: Liebevoll kämpften sich Linzer Chöre durch alte Lieder und scheiterten an den Umständen.

Am 4. April 1868 fand im übervollen Linzer Redoutensaal ein denkwürdiges Konzert der Liedertafel Frohsinn statt. Am Samstag wurde es beim Brucknerfest wiederholt. Die Kopie lockt aber nur wenige ins Brucknerhaus und hat in der Pause sogar manche wieder vertrieben.

Dabei waren die Ausführenden mehr als engagiert. Höchstes Lob gebührt dem Hard-Chor und der Nachfolgeinstitution der Liedertafel, der Linzer Singakademie. Weil sie sich derart aufopfernd durch teils höchst schwierige wie nur selten echt überzeugende Männerchorliteratur durchgekämpft haben. Denn weder Conradin Kreutzers „Sechs Lieder für Männerchor“ op. 79 noch Carl Friedrich Zöllners „Des Müllers Lust und Leid“ sind hitverdächtig. Sondern bleiben Vertonungen, die heute nur mehr wenig zu sagen haben. Auch Bruckners „Vaterlandslied“ hat einen historischen Stempel und sollte ob des deutschtümelnden Textes im Archiv ruhen.

Da kommt weder Freude bei den Sängern auf, noch kann man damit ein Publikum begeistern. Zumal man sich – anders als beim Originalkonzert, bei dem nur je ein Lied pro Zyklus erklang – bemüßigt fühlte, alles umzusetzen. So dürfte damals auch nur das erste der „Sechs Lieder im Freien zu singen“ von Mendelssohn erklungen sein.

Die Aufführung des gesamten Werks war zumindest aber ein Lichtblick. Aber nicht nur Chormusik ist erklungen, sondern auch Mozarts Es-Dur-Streichquartett, mit dem das Franz Xaver Frenzel Quartett den ersten Teil fein beschlossen hat. Die große Klammer dieses dreistündigen Mammutkonzerts bildete Wagner – u. a. Ansprache des Hans Sachs und Schlusschor aus den „Meistersingern“. Letztere sind – und deshalb war das Konzert 1868 tatsächlich denkwürdig – in Linz uraufgeführt worden. Hier gesellten sich der von Tobias Wögerer animierend geleitete Linzer Konzertverein sowie Albert Pesendorfer hinzu, der die deutschen Meister gebührend und klanggewaltig hochleben ließ. (Michael Wruss)

 

Neues Volksblatt, 8. Oktober 2018

Gelungene Kopie nach 150 Jahren

Brucknerfest: Hard-Chor, Linzer Singakademie & Konzertverein begeistern

Im dichten Programm des Brucknerfestes gab es bereits einige erinnerungswürdige Konzerte mit Reproduktionen aus Bruckners Lebzeiten, am Samstag sogar die „Kopie“ eines Konzertes vom 4. April 1868. Wie damals bestritten auch heute ausschließlich lokale Künstler einen denkwürdigen Abend: die Linzer Singakademie als Nachfolgeorganisation der Liedertafel „Frohsinn“; der Hard-Chor mit Gründer und Leiter Alexander Koller; der Linzer Konzertverein unter Tobias Wögerer, der sowohl Richard Wagners Einzugsmarsch aus „Tannhäuser“ als auch den Schlusschor aus der Oper „Die Meistersinger“ nach zweieinhalb Stunden dirigierte.
1868 war Anton Bruckner der Dirigent „in den Lokalitäten des landschaftlichen Redouten-Saales“ und meisterte mit seiner jubilierenden Liedertafel „Frohsinn“, damals ein reiner Männerchor, das Programm. Alexander Koller gelang mit seinem Spürsinn für Vokalmusik auch bei seinem Männerchor eine faszinierende Wiedergabe der anspruchsvollen Werke von Franz Schubert, Conradin Kreutzer, Carl Friedrich Zöllner, Robert Schumann und vor allem Anton Bruckners „Vaterlandslied“ mit Tenor und Baritonsolo. Mittendrin verlangte Bruckner einst Abwechslung mit dem Mozart Streichquartett Nr. 16 Es Dur KV 428 – am Samstag kam damit das Franz Xaver Frenzel Quartett vor der Pause zum Einsatz. Die Konzertbesucher hielten durch, denn die vierstimmigen, gemischten Chöre von Felix Mendelssohn-Bartholdy und vor allem die „Ansprache des Hans Sachs“ mit dem überragenden Bass-Solisten Albert Pesendorfer sowie den Schlusschor aus „Die Meistersinger“ wollte man sich nicht entgehen lassen. Großer Jubel, stehender Applaus und noch eine Überraschung, ein Abendlied von Bruckner. (Christa Grubauer)