Kritik zu Balduin Sulzers 85er am 25. März 2017


28.03.2017, Allgemein

Neues Volksblatt, 27. März 2017

Präsenz, Dynamik und Schönklang

Brucknerhaus: Der Hard Chor brachte Balduin Sulzer ein Geburtstagsgeschenk

In schwarzer Gewandung mit grünen Akzenten tritt der preisgekrönte Hard Chor mit Gründer und Leiter Alexander Koller nun schon zehn Jahre lang erfolgreich zu Chorkonzerten an. „85 Minuten Chorgesang“ lautete die Ankündigung für ein anspruchsvolles Programm, das von den rund 60 Sängern als Geburtstagsgeschenk für Balduin Sulzer in der Festschrift beworben wurde.

Als Vorspann für die Sulzer-Chöre wählte Koller interessante Werke von Zeitgenossen: Peteris Vasks (1946), ein musikalisches Gebet mit Texten von Mutter Teresa mit Klavierbegleitung (Sigurd Hennemann), meist aber Chorwerke in anspruchsvollster a-capella-Kunst wie bei Veljo Tormis — einen Schamanenchor mit Trommelfeuer. Weiter ging es mit Arvo Pärts reizvollem „Magnificat“ und John Muehleisen mit lustigen „Vegetables“ samt unvergesslicher „Rübe“. Vom Popstar der Chormusik, nämlich Eric Whitacre, stammt „Enjoy the Silence“, dann Überleitung zu Sulzers „Granitchor“, der die Jahreszeiten im Mühlviertel wie einen Rundgesang entstehen lässt oder beim „Psalmenspiel“ zwischendurch mit frommem Witz ergötzt. Der „Postknecht von Steyr“ op. 296 zieht als gefinkelter Chorsatz mit launisch brillanter Klavierbegleitung vorbei. Und mit dem oö. Volkslied „Jetzt fahr’n wir übern See“ entführt man gekonnt schwungvoll ins Salzkammergut. Genauso gelingt das Handwerkslied op. 206, „Bäcka, Bäcka“, als schwungvolles Chorlied bestens, das in seiner Anlage das unverkennbare sulzersche Komponierhandwerk aufzeigt. Der Hard Chor überzeugt mit Lust und Einsatzfreude, reagiert adäquat auf die extremen Herausforderungen und Besonderheiten der zeitgenössischer Chormusik mit Stimmpräsenz, Dynamik und Schönklang. Im vollen Mittleren Saal gab es zwischendurch und vor allem abschließend viele Bravorufe und Klatscher. (Christine Grubauer)

 

Kronen Zeitung, 27. März 2017

Der Hard Chor gratuliert Balduin Sulzer zum 85. Geburtstag

Mit exquisiter Chormusik gratulierte der Hard Chor Balduin Sulzer zu seinem 85. Geburtstag. Der erste Teil im vollbesetzen Mittleren Saal des Linzer Brucknerhauses dauerte genau 85 Minuten – wohl eine Minute für jedes Lebensjahr des Komponisten, der derzeit mit einem eigenen Festival großartig gefeiert wird.

Das von höchsten Qualitätsansprüchen geprägte Programm vermittelte eine breite musikalische Palette an Empfindungen: Unter seinem Mentor Alexander Koller ließ der Hard Chor wieder einmal mit vokalen Bravourleistungen aufhorchen. Zu Beginn wurden die Zuhörer mit dem musikalischen Gebet „The Fruit of Silence“ von Peteris Vasks in eine meditative Gedankenwelt versetzt. Der Geschenkskorb wurde mit „Funken sprühender Lebendigkeit“ von Veljo Tormis weiter effektvoll gefüllt. Von Arvo Pärt folgte eine dissonantenreiches Magnificat, weiters sechs abwechslungsreiche Madrigale „Six Fire Songs on Italian Renaissance Poem“ von intensiver Ausdruckskraft. Der Wunsch nach viel Gesundheit wurde Sulzer mit „Eat your vegetables“ von John Muehleisen in den Warenkorb gelegt, bevor mit dem Popsong „Enjoy the Silence“ von Eric Whiatcre der Wunsch nach einem langen Leben für den Jubilar noch einmal untermauert wurde.
Ein folkloristischer Festschmaus von genial gesetzten Sulzer-Liedern versetzte das Auditorium nach der Pause in beste Stimmung. In einer Ode wurde „Das Mühlviertel und sein Granit“ lebhaft betrachtet. „Der Postknecht von Steyr“ und „Jetzt fahrn wir übern See“ versprühten tänzerischen Schalk. Nach dem Handwerkslied „Bäcka, Bäcka“ war die Begeisterung der Zuhörer geradezu euphorisch. Eine allerletzte Schönberg-Zugabe ließ schließlich alle glücklich von dannen ziehen. (?)