Kritik zu Bruckner and his friends am 2. April 2016


11.04.2016, Allgemein

Oberösterreichische Nachrichten, 4. April 2016

Zwischen mystischer Ewigkeit und neu klingender Freude Bruckners

Konzert mit dem Hard-Chor Linz und dem coro siamo Wien in der Eferdinger Stadtpfarrkirche

Am Samstag trafen der Hard Chor Linz und der Coro Siamo Wien in der Stadtpfarrkirche Eferding zusammen, um einerseits Bruckners e-Moll-Messe gemeinsam zu musizieren, und um andererseits jeweils als eigenes Ensemble neue Chormusik zu präsentieren, die an den gigantischen Klangflächen von Bruckners Messe anknüpfen. Doch auch Bruckners Kompositionsstil – speziell in dieser achtstimmigen Messe – ist nicht neu, sondern setzt bei der damals wieder belebten und für die Kirchenmusik als einzig richtig angesehenen klassischen Vokalpolyphonie des ausgehenden 16. Jahrhunderts an. Spannend bei dieser Verbindung von Alt und Neu ist die „Legende von der eingemauerten Frau“. Eine vielschichtige, höchst diffizile Komposition des lettischen Komponisten Eriks Esenvalds, der gerade als Shootingstar der internationalen Chorszene hoch im Kurs steht, bei der der Coro Siamo Wien unter Florian Maierl wunderbare Klangfarben entwickelte und das Stück beeindruckend meisterte.
Danach widmete sich der Hard Chor Linz unter Alexander Koller nicht minder klangschön und technisch bravourös der Suite de Lorca des finnischen Komponisten Einojuhani Rautavaara, dem ungemein emotional stark wirkenden „De Profundis“ des Philippinen John August Pamintuan und dem 2012 entstandenen Werk „Virgencita“ von Arvo Pärt.
Eine stimmlich sehr beeindruckende Wiedergabe der e-Moll-Messe unter der Leitung von Alexander Koller folgte, die vor allem durch ihre sehr breiten Tempi mystische Ewigkeit ausstrahlte. Ob das ganz im Sinn des Komponisten ist, der die Sätze doch tempomäßig eindeutig abgrenzt und eigentlich kaum wirklich langsame Tempobezeichnungen vorschreibt, ist diskussionswürdig, aber mit derart stimmgewaltigen Sängerinnen und Sängern sowie einem derart feinen Instrumentalensemble gelang es mühelos, die langen Bögen zu spannen und auch in Spannung zu halten. Was auf der einen Seite beeindruckte – nämlich der unglaublich große Chorklang – hätte auf der anderen Seite etwas differenzierter sein können, um die ohnehin nur wenigen echten Pianissimostellen auch dort zu belassen. Dennoch ein absolut beeindruckendes Konzert zweier Chöre mit deutlichen Wurzeln in Oberösterreich und im musischen Gymnasium in der Stifterstraße. (Michael Wruss)