Kritik zu „Bruckners Geburtstag“ am 4. September 2011


06.09.2011, Allgemein

Kronen Zeitung, Dienstag 6. September 2011

Das Konzert zum Brucknergeburtstag im Alten Linzer Dom gestaltete sich als herzerwärmende Klangstunde. Der Hard-Chor sang unter Alexander Koller sieben Motetten von Anton Bruckner und ließ diese in veredelter Klangsinnlichkeit aufleuchten, die Raum und Herz bis ins letzte Eck erfüllten. Dazwischen improvisierte Balduin Sulzer – als Hommage an den Genius loci – an der Brucknerorgel und setzte fein durchtriebene Klangfelder, auf denen introvertierte Nachtschattengewächse und tanzende Sonnenblumen aufblühten und die sich teilweise aus dem Bruckner-Themenmaterial generierten. Die kostbare Klangstunde endete mit einer betörenden vokalen „Locus iste“-Improvisationsfläche. Allerfeinst! (Norbert Trawöger)

Oberösterreichische Nachrichten, Dienstag 6. September 2011

Bruckner zum Geburtstag beschenkt

Das Konzert zu Bruckners Geburtstag im Alten Dom, das seit Jahren Klavier-Aufführungen von Symphonien des Meisters brachte, ist heuer von dieser Struktur abgewichen. Denn es vermittelte die Begegnung mit dem weitum bekannten Komponisten und Wilheringer Stiftskapellmeister Balduin Sulzer als beeindruckendem Orgelimprovisator.

Um dem Anlass ganz gerecht zu werden, war auch der ausgezeichnete Hard-Chor aus Linz mit den klangvollen jungen Stimmen bei Bruckner-Motetten zu hören. Auf der Orgel bei Gottesdiensten und kirchlichen Feiern zu improvisieren, gehört für Sulzer, wie für jeden gestandenen Kirchenmusiker, zum unumgänglichen Können. Doch in Konzerten, in denen er aus seiner schier unbegrenzten kompositorischen Kreativität schöpfen kann, ist er nur recht spärlich zu hören. Es war demnach eine originelle Entscheidung, ihn zu Improvisationen auf der Linzer Bruckner-Orgel, dem Arbeitsplatz des einstigen Domorganisten, einzuladen. Sulzer blieb auf der Orgel er selbst, als er sieben Miniaturen vorstellte und in sie Bruckner-Wendungen – nahe oder entfernt von der Vorlage – einfließen ließ.

Hard-Chor auf hohem Niveau

Sein Stil einer gemäßigten Moderne klopft gelegentlich an die Grenzen der Tonalität, gibt sich recht abwechslungsreich und nützt die instrumentalen Möglichkeiten, auch die selten verwendeten. Seine Musik lebt vom Klang, besitzt Wandlungsfähigkeit, bleibt spannend und liebt die Abwechslung. Sie weiß mit dem Rhythmus umzugehen, offenbart eine erstaunliche Spannweite von ziselierten kammermusikalischen Figuren bis hin zu wuchtigen Passagen sowie zu einem recht strahlenden und fulminanten Schluss. Sein Spiel aus dem Augenblick offenbart einen vielgestaltigen musikalischen Kosmos, durchsichtig und in sich geschlossen und oft mit viel klanglicher Askese. Derartiges möchte man öfters hören.Der Hard-Chor in Linz besteht seit dem Frühjahr 2007 und hat seither ein erfreulich hohes technisches und gestalterisches Niveau erreicht. Er vermittelte sieben der schönsten Bruckner-Motetten harmonisch ausgewogen, eindringlich und mit herrlichem Piano. Dabei wurde die Expressivität und Intensität der jeweiligen Komposition ausgekostet. Somit ergab sich ein strömendes Klangerlebnis, das durch die Akustik des Kirchenraumes noch überhöht wurde.

Das „Locus iste“ diente auch für eine vokale Improvisation (!) als Draufgabe, bei der sich die Noten Bruckners mit changierenden Klangflächen verbanden und eine gesangstechnische Kuriosität ergaben, aber nicht mehr, denn das Original ist nicht zu überbieten. (Franz Zamazal)

Homepage Diözese Linz, Dienstag 6. September 2011

Musikalische Geburtstagsfeier für Anton Bruckner im Alten DomAm Sonntag, 4. September 2011 um 20.00 Uhr wurde der 188. Geburtstag von Anton Bruckner im Alten Dom (Jesuitenkirche St. Ignatius) musikalisch gefeiert. Der Linzer Hard-Chor und Balduin Sulzer würdigten das Genie Anton Bruckner auf musikalisch höchstem Niveau.Mit diesem Geburtstagsgeschenk hatte Anton Bruckner wohl seine Freude: Wie jedes Jahr veranstaltete der Brucknerbund auch heuer ein Geburtstags-Konzert zu Ehren des oberösterreichischen Komponisten und Organisten, der 11 Jahre lang im Alten Dom gewirkt hatte. Eingeführt hatte diese Tradition der frühere Titularorganist des Alten Doms, der bereits verstorbene Prof. August Humer. Waren in den  vergangenen Jahren Klavier-Aufführungen von Bruckners Symphonien zu hören, erklangen zum 188. Geburtstag Chorwerke des Meisters und „seine“ Orgel.

Der preisgekrönte Linzer Hard-Chor unter der Leitung von Alexander Koller brachte die Motetten „Ave Maria“, „Pange lingua“, „Christus factus est“, „Os justi“, „Virga Jesse“, „Vexilla regis“ und „Locus iste“ zur Aufführung und beeindruckte durch musikalische Ausdruckskraft und perfekte Intonation. Bei der Zugabe überraschte der Hard-Chor die ZuhörerInnen mit einer Improvisation von „Locus iste“, die vom Stil her an Nystedts „Immortal Bach“ erinnerte.

Zwischen den einzelnen Motetten begeisterte der Komponist und Wilheringer Stiftskapellmeister Balduin Sulzer mit Orgelimprovisationen. Er entlockte der Bruckner-Orgel feine, wuchtige und auch ungewohnte Klänge und stellte einmal mehr sein Talent als Orgelimprovisator unter Beweis.

Nach dem Konzert hatten Interessierte die Möglichkeit, die im Juni geweihte „Bruckner-Stiege“ kostenlos zu besichtigen. Der Stiegenaufgang im Nordturm, der zur Orgel führt, wird nun durch Schautafeln an den Seiten museal genutzt und kann gegen Voranmeldung besucht werden.