Kritik zu Festkonzert „100 Jahre Linzer Konzertverein“ am 4. Dezember 2019


06.12.2019, Allgemein

Oberösterreichische Nachrichten, 6. Dezember 2019

Der Linzer Konzertverein feiert 100 Jahre Leidenschaft

Großes Chor-Orchester-Festkonzert im Linzer Brucknerhaus

Wenn man einen runden Geburtstag feiert, lädt man Freunde ein, und so geriet am Mittwoch das Festkonzert anlässlich des 100-Jahr-Jubiläums des Linzer Konzertvereins zum großen Chor-Orchester-Abend, der vor ausverkauftem Brucknerhaus-Auditorium mehr als nur begeistert hat.
Der Linzer Konzertverein ist eine Institution, die das Kulturleben prägt, und das nicht bloß als Liebhaberorchester, das zweimal im Jahr im großen Saal des Brucknerhauses konzertiert, sondern auch als Talentepodium für den musikalischen Nachwuchs.
So haben viele heute namhafte Solistinnen und Solisten wie auch Dirigenten sich ihre ersten Sporen beim Konzertverein verdient und haben bewiesen, dass sie nicht nur mit Profis zusammenarbeiten können, sondern auch pädagogisch wirken und mit einem Kollektiv von Dilettanten – im ursprünglichen Wortsinn: von leidenschaftlichen Liebhabern – herausfordernde Werke der vorwiegend klassisch-romantischen Literatur zu erarbeiten im Stand sind. Diesmal leitete mit Marc Reibel ein gern gesehener Gast am Pult des Konzertvereins das Festkonzert, das mit Richard Strauss’ Wiener Philharmoniker Fanfare glanzvoll eröffnet wurde.

Werke, die einiges fordern

Auch die akademische Festouvertüre von Johannes Brahms ließ sich hören und forderte von den Musikern schon einiges an aufopferndem Üben, wie Christian Schacherreiter in seiner launigen Festansprache zu betonen wusste. Ist doch auch er einer, der stundenlang die vielen Notenköpfe den Fingern einzudrillen versucht.
Isabell Czarnecki begeisterte mit Ruhe verströmendem Ausdruck und edel geführter Stimme in Brahms’ „Altrhapsodie“, bei der die Jubilare fein tönend begleiteten und die Herren der vier Chöre subtil ihre Stimme erhoben. Turbulent und nicht minder heikel verstand Joseph Haydn die Streicher in seinen geistlichen Werken zu fordern – so auch im „Te Deum“ für die Kaiserin Marie Therese, bei dem nun das Collegium Vokale Linz (Josef Habringer), der Hard Chor und die Linzer Singakademie (Alexander Koller) sowie Schülerinnen und Schüler des Musikgymnasiums Linz (Stefan Kaltenböck) in voller Besetzung lautstark gratulierten und begeistert mitfeierten.

Blendend singende Gratulanten

Den Abschluss machte Beethovens für derartige Fälle immer passende Chorfantasie, bei der Clemens Zeilinger virtuos am Klavier agierte und Regina Riel, Andrea Wögerer, Isabell Czarnecki, Kurt Azesberger, Christian Havel und Klaus Kuttler sich als blendend singende Gratulanten einstellten.
Fazit: Ein feines Fest für eine Linzer Institution, die nichts von ihrer Bedeutung verloren hat und auch im nächsten Vereins-Jahrhundert ihr Publikum finden und begeistern wird. (Michael Wruss)

 

Oberösterreichisches Volksblatt, 6. Dezember 2019

Jubelstimmung im Saal und auf der Bühne

Linzer Konzertverein feierte sein 100-jähriges Bestehen mit einem Großkonzert

Gesteckt voll war das Brucknerhaus am Mittwoch zum Jubiläumskonzert des Linzer Konzertvereines. Allein schon ein Beweis, welche Beliebtheit und Wertschätzung diese älteste Institution der Kulturlandschaft in Linz genießt, die den Charakter eines vereinsmäßig aktiven Klangkörpers auf privater Basis längst überholte.
Es hieß, nicht immer rosige Zeiten zu überstehen, allein durch die Kriegsereignisse, aber gerade materielle Sorgen und Verzicht auf manche Annehmlichkeiten des Lebens führten musiktalentierte Menschen zusammen, um ihre Freizeit dem gemeinsamen Musizieren zu widmen und mit Enthusiasmus das Weiterwirken des Vereins als eine Schule des Lebens zu ermöglichen.
Aus der einstigen „Tonzunft“ ist 1925 der Name „Linzer Konzertverein“ entstanden und 1947 ging das erste Vereinskonzert nach der NS-Zeit über die öffentliche Bühne.

Klug ausgewähltes Jubiläumsprogramm

Genau diese Verdienste würdigten eingangs die Grußworte von Stadträtin Regina Fechter und LH a.D. Josef Pühringer (mit gewohnt flammender Rede, wenn es um das Thema Musik als seine Herzenssache geht).

Das klug ausgewählte Jubiläumsprogramm verantwortete gemeinsam mit dem Vorstand der jetzige Präsident Johann Lißberger, was bei dem Repertoireumfang des Orchesters nicht leicht gewesen sein dürfte. Die Wahl der „Wiener Philharmoniker Fanfare“ von Richard Strauss und die „Akademische Festouvertüre“ op.80 von Johannes Brahms überzeugten gleich von der derzeitigen Qualität des Orchesters bei den Bläsern und auch den mit erfreulich viel Jugend besetzten Streichern. Bestimmt hat Marc Reibels theaterkapellmeisterliche Pultführung den Erfolg des Abends gesichert.
Die viel zu selten aufgeführte Altrhapsodie von Brahms, von Isabell Czarnecki mit sauberen Oktavsprüngen, einer klaren Diktion und Gespür für den Goethe-Text gesungen, vom Klangteppich des Männerchores getragen, führte dann weiter zu Chorwerken, durch die das Massenaufgebot an weit die Hundertschaft übertreffende Sängerschar zu einer Hauptattraktion des Abends aufrückten. Die dabei unglaublich homogen funktionierenden Leistungen lobten ihre einstudierenden Chormeister, voran Alexander Koller für seine Löwenarbeit (Linzer Singakademie und Hard-Chor), Josef Habringer (Collegium Vocale Linz) und Stefan Kaltenböck (Studierende des Musikgymnasiums).
Mit besonderer Hingabe wurden das der Kaiserin Marie Therese gewidmete „Te Deum“ von Joseph Haydn und zum Finale Beethovens Klavierfantasie, genannt die „kleine Neunte“, mit dem Solisten Clemens Zeilinger und einem professionell erprobten Quintett zum hymnischen Schluss des Festkonzertes geführt. Die Jubelstimmung des Publikums mündete in einen lautstarken Jubel für die Zentenarfeier des Linzer Konzertvereines. (Verfasser?)