Kritik zu Leitner, Bruckner, Pärt am 25. Oktober 2017


30.10.2017, Allgemein

Kronen Zeitung, 28. Oktober 2017

Leitner-Sinfonie uraufgeführt

Bemerkenswertes Konzert in der Stiftsbasilika St. Florian: Der Hard-Chor begann mit der hochklassigen Darbietung etlicher Kompositionen von Bruckner und Pärt. Danach die Uraufführung der Sinfonie Nr. 5 von Ernst Ludwig Leitner. Seine Musik weist stürmisch explosive Elemente auf, die das Bruckner Orchester unter Takeshi Moriuchi nachdrücklichst wahrnahm. Überraschend die von Bettina Leitner brillant in den Kirchenraum geschleuderten Solopassagen an der großen Stiftsorgel. Sehr viel Bewunderung! (Balduin Sulzer)

 

OÖN, 27. Oktober 2017

Leitners Fünfte forderte Chor und Orchester

Ein Sonderkonzert des Brucknerhauses in der Stiftsbasilika St. Florian widmete sich am Mittwochabend der Uraufführung von Ernst Ludwig Leitners V. Symphonie mit dem Titel „Den Manen Anton Bruckners“ nach einem Gedicht Josef Weinhebers.

Ein Gedicht, das sowohl auf die Orgel als zentrales „Werkzeug“ Bruckners Bezug nimmt, aber auch auf die tief verwurzelte Gläubigkeit des Ansfeldner Meisters und seinen Zählwahn eingeht. Leitners seriell erfundene, aber dennoch sehr tonal wirkende Musik braust von den hitzigen Worten angefacht immer wieder zu klanglicher Größe von durchaus pathetischem Ausmaß auf.
Die Aufführung mit dem Bruckner Orchester unter Takeshi Moriuchi gelang sehr überzeugend und lotete die kontrapunktische Struktur, aber auch die übereffektvollen Tutti-Passagen fein aus und gab dem Werk eine imposante Größe.

Großartiger Hard-Chor
Besonders hervorzuheben der Hard Chor, der unter Alexander Kollers Anleitung den anstrengenden Chorpart großartig gemeistert hat. Nicht nur, dass es viel Text zu interpretieren gab, sondern auch die dynamische Belastung der Stimmen ging durchaus in der großen Besetzung an die Grenzen des Machbaren. Ein feines Konzert – leider in einer ungewohnt leeren Stiftskirche. (Michael Wruss)

 

Neues Volksblatt, 26. Oktober 2017

Ein würdiger Nachfolger Bruckners

Uraufführung von Ernst Ludwig Leitners 5. Sinfonie in der Stiftsbasilika St. Florian

Im Konzert am Mittwoch in der Stiftsbasilika St. Florian mit dem von Alexander Koller geleiteten Hard-Chor und dem Bruckner Orchester, dirigiert von Takeshi Moriuchi, galt das Hauptinteresse der Uraufführung der 5. Sinfonie des Welser Komponisten Ernst Ludwig Leitner.

2014 komponierte Leitner die Pfingstsequenz zur Eröffnung des Salzburger Domquartiers für fünf Orgeln. Bei diesem Orgelaufwand hätte das Werk wohl kaum Aufführungschancen gehabt, daher dachte der Komponist an eine Fassung für Orgel, Chor und Orchester und verband die Pfingstsequenz schließlich mit einem weiteren Satz mit Bruckner-Bezug. „Den Manen Anton Bruckners“ nennt er diesen und ließ sich von Josef Weinhebers Gedichtsammlung „Kammermusik“ zu seiner Neuschöpfung inspirieren. Die guten Geister der Toten im altrömischen Glauben, das sind die Manen, sprechen aus einer Musik fesselnder Klangbäder, die Leitners bekannt souveräne Instrumentationskunst und Perfektion im Chorsatz verraten. Schade, dass der tiefgläubige, Bruckner nahe Text weitgehend unverständlich blieb. Aber das war Sache der Akustik und schmälert keineswegs die hoch qualifizierten Leistungen des Hard-Chores. In der dynamischen Entfaltung waren auch dem Bruckner Orchester in Großbesetzung Grenzen gesetzt, was Takeshi Moriuchi am Pult aber gut im Griff hatte.

Stilistisch ist die 75-minütige Chorsinfonie durchaus ein würdiger Nachfolger Bruckners mit ihrer ausladenden Thematik und wiederum oft nur motivischen Farbtupfern der Partitur: sowohl harmonisch durch die Anpassung der Gregorianik als auch im Orgelpart, den Bettina Leitner gemäß dem Werk in schillernden Farbnuancen der Register virtuos betreute. Die Urquelle im ersten Satz ist schon die formbestimmende Pfingstsequenz als Einstimmung in den überragend aussagestarken Weinheber-Teil, der dann erst einen stark fesselnden Eindruck hinterließ.

Wie gewohnt in Topform: der Hard-Chor

Der Uraufführung voran gingen abwechselnd a-cappella-Chöre von Bruckner und vom estnischen Komponisten Arvo Pärt (82), in denen sich der Hard-Chor wie gewohnt in Topform zeigte.

Die Stiftsbasilika war sehr gut besucht von vielen Interessenten für heimische zeitgenössische Musik, die dann auch lautstark und lange applaudierten. (Georgina Szeless)