Kritik zu „Treffpunkt Neue Musik“ am 19. April 2012


21.04.2012, Allgemein

Kronen Zeitung, Samstag 21. April 2012

Unterschiedliche Klangareale

Zum 40. Mal fand im Linzer ORF-Studio der „Treffpunkt Neue Musik“ statt. Als Hörbarkeitstransformator fungierte diesmal der wandlungsfähige Hard-Chor unter Alexander Koller, der in sechs Werken von sieben Komponisten (Anm. gemeint ist natürlich sieben zu sechs) höchst unterschiedliche Klangareale eroberte – trotz der sangesunfreundlichen Akustik.Inmitten der Chorlandschaft erblühte mit Raimund Vogtenhubers „Entrance 12+1″ für Klavier (Yoko Sawa) und Elektronik eine minimalistische „Ambient“-Musik, der unauffällig angenehm zu lauschen war. Pointiert originell hat Thomas Mandel seinen liebesversenkten „Stierhüblteich“ eingerichtet oder wehen Gunter Waldecks durchtrieben gearbeitete „Stürme“. Rudolf Jungwirth hat mit „Da Jesus am Kreuze stund“ die sieben letzten Worte Jesu am Kreuz in einer flammenden Innensprache vertont. Zum Chor gesellen sich ein Akkordeon (Yova Serkova) und ein Kontrabass (Andreas Reckenzain), die auch konterkarierende Farbwelten aufreißen.
Balduin Sulzer und Helmut Schmidinger zeigen sich einmal mehr als treffsichere Chorkomponisten ganz originärer Ausdrucksart. Ein Chapeau dem Hard-Chor, der konsequent und flexibel seinen hohen Ansprüchen treu bleibt und diese auch zu erfüllen weiß. (Norbert Trawöger)

Oberösterreichische Nachrichten, Samstag 21. April 2012

Der „Treffpunkt Neue Musik“ feiert 10. Geburtstag

Die ORF-Konzertreihe „Treffpunkt Neue Musik“ ist in den letzten zehn Jahren zu einer wichtigen Institution für die Vermittlung neuer Klänge und die Präsentation arrivierter, aber vor allem auch junger Komponisten geworden. Im ORF Landesstudio feierte man am Donnerstag nicht nur den zehnten Geburtstag, sondern gleichzeitig auch die vierzigste Veranstaltung mit einem Auftritt des Hard-Chors unter Alexander Koller. Ein Ensemble, das zwar erst seit fünf Jahren besteht, aber in dieser Zeit sowohl wegen der außergewöhnlichen Qualität als auch wegen seiner spannend vielfältig gestalteten Programme Aufsehen erregte.
Ein Chor, der eben hart an die Grenzen geht und dabei große Sympathien beim Publikum und auch bei Komponisten findet. Der Abend begann mit Balduin Sulzers „Madrigal im Herbst“ und Rudolf Jungwirths packender Vertonung der letzten Worte Christi, bei der der Chor von Akkordeon (Yova Serkova) und Kontrabass (Andreas Reckenzain) begleitet wurden.
Erheiternd und doch tiefernst gemeint Thomas Mandels Vertonung von Ernst Aigners „Stierhüblteich“, das mit Dialekt und der damit verbundenen Klanglichkeit feinnervig spielt. Vom Text her wortgewandt brillant gab sich David Wagners „In Gmunden“, das aber bei aller Musikalität den Chorklang nicht ganz optimal zur Geltung brachte. Das gelang dafür umso mehr Helmut Schmidinger mit einem seiner in Klang verwandelten Kochrezepte – mit dem „gefüllten Gansl“. Eine großartige Leistung des Chores und seines Leiters. Alice Ertlbauer-Camerer führte wie immer souverän durch den Abend. (Michael Wruss)

Neues Volksblatt, April 2012

Das wünscht sich jeder Veranstalter – alle Plätze besetzt – der noch irgendwie freie Platz mit Stehplatzbesuchern rammvoll für ein Chorkonzert.  So erlebt-  im Landesstudio OÖ. mit neuester Musik oberösterreichischer – Komponisten am 19.4.2012. Kein Wunder servierte doch an diesem „vierzigsten“ Veranstaltungsabend der sagenhaft disponierte Hard-Chor unter der Leitung von Alexander Koller am Schluss ein „Gefülltes Gansl“ – das Rezept – als Köstlichkeit gesungen, serviert und vor allem gewürzt mit Musik von Helmut Schmidinger (*1969), der es immer wieder versteht variationsreiche Pfade mit Texten zu verbinden. Die Einladung nach „Gmunden“ vertonte David Wagner (*1966) mit Reimen wie: „Gmunden am Traunstein angebunden; den Traunsee rundum gewunden“ in lustvollen 10 Chorstrophen.

Mit einem liebeskranken Dialekttext konnte man am „Stierhüblteich“ verweilen und dabei die kompositorischen Einfälle von Thomas Mandel (*1965) genießen. Gunter Waldek (*1953) weiß als Praktiker genau, was einem versierten Chor zuzumuten ist, „Stürme“ haben eine überraschende Wende genommen. Eine Liveelektronik lieferte Raimund Vogtenhuber (*1973) als Echospiel mit Klavier (Yoko Sawa). Ernst und besinnlich erklang das Auftragswerk des Hard-Chors von Rudolf Jungwirth (*1955), das mit 7 Versen über das Passionsgeschehen meditiert; ein Gradmesser hoher Ansprüche an alle Ausführenden  und in kurzen Zwischenspielen mit Kontrabass und Akkordeon nachbetrachtende Stimmung erzeugte. Ohne Balduin Sulzer-Beitrag (80!) ging es auch hier im ORF nicht: ein „Spruchkarten – Vers“ mit geschmeidig schrägen Harmonien und vor allem gleich am Beginn das „Madrigal im Herbst“ animierte den Chormeister zu eleganten Wendungen der Dynamik und glasklaren Akkorderlebnissen.
Die jeweils grün geschmückten Chormitglieder legten einen wahren Interpretationsmarathon mit dieser anspruchsvollen Werkreihe ab.
Es gibt berechtigte Hoffnungen, dass diese Erfolgsreihe der zeitgenössischen Musik weitergeführt werden kann:  Kulturabt. d.Landes; Erdgas OÖ; mit SKE.Fonds der „austro mechana“ sorgen finanziell dafür.
Hinweis: ein Mitschnitt des Konzertes ist am 30. April 2012 um 23.03 in der Sendung ZeitTon in Ö1 zu hören. (Christa Grubauer)