Kritik zum Konzert am 1. Oktober 2008


03.10.2008, Allgemein

Oberösterreichische Nachrichten, Freitag, 3. Oktober 2008

Brucknerfest: Ungewöhnliches Projekt im Alten Dom – Eine Messe zur Zeit Bruckners

In der Absicht, unter musikhistorischen und liturgischen Aspekten eine „katholische Messe zur Brucknerzeit“ wiederzubeleben, brachte das Brucknerfest im Alten Linzer Dom eine Aufführung der d-Moll-Messe – ergänzt mit einigen passenden Chor- und Orgelwerken des Ansfeldner Meisters. Und zwar genau an der Stätte der denkwürdigen Uraufführung der großen Messe am 20. November 1864.

Das nicht alltägliche Projekt realisierten heimische Kräfte. Der Hard Chor (Einstudierung Alexander Koller) aus geschulten, klangschönen und deutlichen Stimmen in einem runden Zusammenklang bildete eine erfreuliche Begegnung bei vier bekannten und herausfordernden A-cappella-Chorsätzen.

Nicht immer sattelfestDen Orchesterpart in symphonischer Besetzung stellte das Ensemble „Ars Antiqua Austria“ mit Originalinstrumenten aus der Brucknerzeit: Es klang nicht immer ausgewogen und sattelfest. Störend wirkten oft die getrübte Balance zwischen den Instrumentalgruppen und dem Chor, Ungenauigkeiten und mangelnde Lautstärken-Differenzierungen.

Die Gesangssolisten Rosemarie Schobersberger, Christa Ratzenböck, Christian Havel und Andreas Lebeda konnten sich unter den gegebenen orchestralen Umständen nicht immer vorteilhaft entfalten.

Die Gesamtleitung besorgte Rupert Gottfried Frieberger, der auch einige Orgelstücke Bruckners auf dem ihm seit langem vertrauten Instrument spielte. Er konnte die Überzeugungskraft, den heißen und innigen Atem der Musik – sie enthält auch Theatralisches und Symphonisches – nur unvollständig vom Orgelchor in den Kirchenraum schicken. Seine abschließende kurze Orgelimprovisation beschränkte sich auf einige Bruckner-Themen in unterschiedlicher harmonischer und klanglicher Verkleidung. (Franz Zamazal)

Neues Volksblatt, Freitag 3. Oktober 2008

Neue Eindrücke durch alte Instrumente Linzer Brucknerfest: Bruckners d-Moll-Messe im Alten Dom mit Hard Chor, Ars Antiqua Austria und Rupert Gottfried Frieberger„Eine katholische Messe zur Brucknerzeit“ stand über dem Programm, und dass es unter musik- und liturgiegeschichtlichen Aspekten entstand. Der Schlägler Stiftskapellmeister, Organist und Komponist Rupert Gottfried Frieberger, als Bruckner-Kenner stets auf der Suche nach einem authentischen Bruckner-Bild, präsentierte die d-Moll-Messe ungewöhnlich auf Originalinstrumenten jener Jahre, aufgeführt vom bekannten Spezialistenensemble Ars Antiqua Austria. Aber damit nicht genug. Stand Frieberger doch, wie 1864 Bruckner selbst bei der Uraufführung seines Werkes, im Alten Linzer Dom auf der Empore und leitete die Aufführung mit fachlicher Kompetenz und der gebotenen Ehrfurcht.

Zwischen den Messteilen gab er Bruckner-Kostproben seiner Orgelkunst und beglückte mit Improvisationen über Themen aus dem „Agnus Dei“ der Messe, der 4. Symphonie und dem apokalyptischen „non confundar“.

Vokale Mitstreiter seiner liebevollen Rekonstruktion waren der von Alexander Koller einstudierte Hard Chor, der seine Fähigkeiten uneingeschränkt zeigen konnte, und ein motiviertes Solistenquartett aus den arrivierten Sängern Rosemarie Schobersberger, Christa Ratzenböck, Christian Havel und Andreas Lebeda, deren Hingabe für Bruckner ein herzliches Anliegen verriet. Ein ehrenvolles Unternehmen, das Frieberger mit dem Einsatz alter Instrumente zu Gunsten neuer Eindrücke gelungen ist, eine Verbeugung vor Bruckner aus tiefer Gläubigkeit mit hohem künstlerischen Einsatz. Allein mit der klanglichen Problematik, die orchestrale Aufführungen in Kirchenräumen mit sich bringen, sah auch er sich konfrontiert. Ein Glanzpunkt im Brucknerfest war aber gesetzt, und das Publikum sparte nicht mit Beifall. (Georgina Szeless)

Kronen Zeitung, Freitag 03. Oktober 2008

Ein trefflicher Gedanke, den musikalischen Ablauf eines Pontifikalamtes zur Zeit Bruckners im vollbesetzten Alten Dom zu Linz nachzustellen! Im Zentrum stand dabei Bruckners D-moll-Messe, die 1864 hier ihre Uraufführung erlebte, ergänzt durch die als „Proprium“ eingesetzten A-capella-Motetten „Locus iste“, „Ave Maria“, „Christus factus est“ und „Pange lingua“. Dazu originale Orgelpräludien und ein farbprächtig improvisiertes Postludium. Der jugendliche Hard Chor, die Instrumentalisten „Ars Antiqua Austria“, ein kultiviertes Vokalquartett und der als Dirigent und Organist gleichermaßen kompetente Rupert Gottfried Frieberger leisteten ganze Arbeit. (Baldiun Sulzer)