Kritik zum Konzert am 2. November 2009


04.11.2009, Allgemein

Kronen Zeitung, Mittwoch 4. November 2009

Bemerkenswerter Hard-Chor Wels

Der „Knopf“ geht auf

Der Hard Chor zischt konsequent und unablässig in den Himmel der heimischen Spitzenvokalkollektive, dafür sorgt eine engagierte Schar Chorwütiger unter Alexander Koller. In den Welser Minoriten präsentierte man vokale Gedanken zu Allerseelen, ein Programm von ausgeklügelter Architektur.

Erst zweieinhalb Jahre gibt es den Chor, und die Entwicklung ist bemerkenswert und nicht mehr nur viel versprechend, da vieles hier einfach schon eingelöst wird. Koller arbeitet sehr genau an Details, an stilistischen wie klanglichen Austarierungen, ohne den großen Fluss am Strömen zu hindern. Im Zentrum des tagträumerischen Programms stand Bachs Motette „Jesu meine Freude“: strukturiert, eindringlich und vor allem an den Eckpunkten von großer Kraft. Toll auch das frei fliegende „Pater noster“ von V. Miskinis oder Sausengs „Psalm 131“. Und im zweiten Teil scheint dann klanglich noch ein weiterer Knopf aufzugehen, da blüht Balduin Sulzers „Spruchkarten-Vers“ oder Pärts „Solfeggio“, und er endet mit „Hear my Prayer“ von Purcell, das Stück, das schon am Anfang stand. (Norbert Trawöger)