Kritik zum Konzert am 28. April 2011


30.04.2011, Allgemein

Kronen Zeitung, Sonntag 1. Mai 2011

Wegweisendes Klangprojekt für Chöre – 17 Uraufführungen

„BeispielsWeisen“ heißt ein Klangprojekt, das neue Chormusik aus Oberösterreich für Oberösterreich anstiftet. Im Gunskirchner Veranstaltungszentrum hoben 17 einheimische Chöre ebenso viele Werke oberösterreichischer Komponisten aus der Taufe: Trotz unterschiedlicher Qualitäten ein interessantes Unterfangen.

Dieses Projekt ist in vielerlei Hinsicht fruchtbringend: Chöre arbeiten mit Komponisten direkt zusammen und erweitern damit ihr Repertoire auch hinsichtlich zeitgemäßer Klangsprachen. Der daraus resultierende Sammelband samt CD schafft eine kapitale Horizonterweiterung.
Respekt und Verneigung vor allem vor den Laienchören! So haben die „Gymnasium Harmonists“ Thomas Mandels sehr effektvolles „Und du sagst“ ans Licht befördert. Die Florianer Sängerknaben kümmerten sich veritabel um Rudolf Jungwirths klangpfiffigen „Schaukelstuhl“. Der Rieder BORG-Chor sang tüchtig, wenn auch ein bisschen zu brav, die hintergründig-bissige „Zuneigung“ von Rudolf Hinterdorfer. Michael Wahlmüllers ansprechendes „Ave Maria“ erfuhr durch Ars Sonandi eine engagierte Umsetzung. Die „Lautmaler“ erheiterten mit Michael Hazods urwitzigem „waunds“.Einer der Höhepunkte waren Erland Maria Freudenthalers „subtil-rührendes Stimmgewächs „The moon is hiding in her hair“ in einer hervorragenden Verwirklichung des Linzer Jeunesse Chores. Und final hat der fulminante Hard Chor mit Helmut Schmidingers hochorigineller Rezeptvertonung „Gefülltes Gansl“ den Vogel abgeschossen – und meisterlich angerichtet. (Norbert Trawöger)

Oberösterreichische Nachrichten, Samstag 30. April 2011

Einen Volltreffer gelandet

Ein Chorprojekt der Sonderklasse gab es am Donnerstag im Veranstaltungszentrum Gunskirchen. 17 Chöre reisten zum geographischen Mittelpunkt Oberösterreichs und brachten beim „BeispielsWeisen“-Festival 17 Stücke zur Uraufführung. Vom heiter besinnlichen Liebeslied über klangvolle Kirchenmusik bis hin zu stimmungsvollen Charakterstudien bot das Programm für jeden etwas. Musik, die der Tradition verpflichtet war, aber auch Stücke, die eine zeitgemäße Sprache verwendeten und durchaus inspirierend Neues erkennen ließen.

So unterschiedlich die Stücke vom Ausdruck waren, so unterschiedlich waren auch ihre Qualität und die Leistungen der Chöre. Besonders beeindruckend David Wagners „Im Nebel“, Erland M. Freudenthalers „The moon is hiding“, Gunter Waldeks „Nachtlied“, Michael Hazods „wausd“, Rudolf Hinterdorfers „Zueignung“, Rudolf Jungwirths „Schaukelstuhl“ und Helmut Schmidingers vertontes Kochrezept für ein „Gefülltes Gansl“.

Der Linzer Jeunesse Chor mit seiner unnachahmlichen Klangkultur, der Hard Chor mit brillanter Diktion und fast aktionistischem Zupacken, die noblen „Lautmaler“ aus Perg und das Vokalensemble Voices konnten besonders beeindrucken. Mit „BeispielsWeisen“ hat die oberösterreichische Chorakademie einen Volltreffer gelandet, denn so ist die Chance, dass zeitgenössische Musik auch in die Probensäle der Laienchöre gelangt und damit vielleicht ein größeres Verständnis für neue Musik erzielt werden kann, um einiges gestiegen. (Michael Wruss)