Kritik zur Brucknerstiegeneröffnung am 8. Juni 2011


10.06.2011, Allgemein

Oberösterreichische Nachrichten, Freitag 10. Juni 2011

Festmesse für die Brucknerstiege

Der Bedeutung der neuen Linzer Brucknergedenkstätte im Alten Dom entsprechend, zelebriert Kardinal Christoph Schönborn zur Eröffnung der „Brucknerstiege“ im Nordturm am Mittwoch eine von Bruckners „Missa solemnis“ akzentuierte katholische Festmesse.

Zu besichtigen sind im Stiegenaufgang zur „echten“ Bruckner-Orgel aussagekräftige Exponate, die Bruckners Jahre in Linz und deren Bedeutung für den Musiker dokumentieren.Im musikalischen Mittelpunkt des Festes stand die Aufführung der selten gespielten b-Moll-Messe des jungen Meisters, deren Uraufführung 1854 für ein hohes Klosterfest in St. Florian bestimmt war. Die Entstehungszeit sagt auch ein wenig über die stilistische Einordnung der Partitur aus. Vorbilder lieferten Haydn und Mozart. Diesen folgte der komponierende Stiftsorganist und Volksschullehrer in fleißigem Selbststudium, so dass das Werk den damaligen Wiener „Kontrapunkt-Papst“ Simon Sechter bewog, Bruckner als Schüler anzunehmen.Das Werk zeigt einen Weg zum „großen“ Komponisten, enthält viele schöne Details und kommt dabei mit verhältnismäßig bescheidenen Mitteln aus.Die Hauptlast der Aufführung trugen die Sänger. Hierfür standen zur Verfügung der Hard Chor (Einstudierung Alexander Koller), die Capella Lentiensis, außerdem als Solisten Gotho Griesmeier, Kathryn Handsacker, Matthäus Schmidlechner und William Mason, dazu noch ein versiertes Orchester. Es gelang eine solide, ansprechende Aufführung, bei der die gefälligen melodischen Abschnitte gut zur Geltung kamen; in Erinnerung bleiben insbesondere innige Passagen und schwingendes Melos. Die Balance zwischen den chorischen Stimmgruppen war nicht immer perfekt. Dennoch ist diese Aufführung dankbar zu registrieren.Den musikalischen Teil ergänzten noch zweckmäßig eine Fantasie von Bruckners Amtsnachfolger Karl Waldeck, ein paar kurze Orgelstücke vom Meister selbst und erst recht zum Abschluss das ausdrucksstarke „Locus iste“. Den liturgischen Teil zelebrierte Kardinal Schönborn, sprach in seiner Predigt zu Bruckners Wesenszügen, dem künstlerischen Ethos, dem Talent und segnete die Brucknerstiege in Verbindung mit einem Totengedenken. Im profanen Teil vermittelten die Festansprachen (Elisabeth Mayr, Bernhard Prammer) Einsichten in die Bedeutung des Stiegen-Denkmals. Zu verdanken ist dieses erste Linzer Brucknerdenkmal weitgehend dem Brucknerbund für Oberösterreich, Landesmuseen-Direktor Peter Assmann und Bernhard Prammer, dem Titularorganisten am Alten Dom, als Organisator. (Franz Zamazal)